Gamescom 2017 – Messe-Tagebuch und meine Highlights

Die Gamescom 2017 ist seit 3 Tagen vorbei, der fehlende Schlaf wurde mehr oder weniger nachgeholt und meine Füße haben wieder eine halbwegs normale Farbe angenommen, also ist es Zeit, sich mal einem kleinen Recap zu widmen! Ich habe trotz 2 Tagen weniger als letztes Jahr viel angespielt und berichte euch im Tagebuch-Format von meinen Highlights.

Mittwoch

Der Mittwoch sollte mit Super Mario Odyssey starten, nach 10 Minuten in der Schlange sprach uns aber Roman, ein Indie-Entwickler aus Hamburg, an, um uns zu fragen, ob wir nicht während der Wartezeit sein Spiel anspielen und ihm Feedback geben wollen. Warum nicht, also hatten wir kurzerhand eine Switch mit einer Demo von Leif’s Adventure von One Man on Mars in der Hand!

Bei dem Spiel handelte es sich um ein hübsch aussehendes Metroidvania, in dem man Leif und ein kleines Geisterwesen spielt, entweder alleine abwechselnd, oder im Koop-Modus gleichzeitig. Leif ist ein durchschnittlicher Mensch und kann mit verschiedensten Waffen kämpfen, der kleine Geist kann durch die Gegend fliegen und mit einer Art Impuls zum Beispiel Gegner lähmen oder Plattformen und andere Mechanismen aktivieren.

Das Spiel braucht definitiv noch polish. Der Geist lässt sich sehr träge steuern, die Mechanik, an Ballons umherzufliegen funktioniert noch sehr durchwachsen und hier und da gibt es noch andere kleine Fehlerchen, aber man muss bedenken, dass das Spiel von einer einzelnen Person stammt. Besonders dafür ist das bisher Geschaffte beeindruckend und auch mit den kleinen Fehlern hat Leif’s Adventure viel Spaß gemacht und ich werde das Spiel definitiv im Auge behalten!

Nach einer Stunde spontanem Indie-Gaming in der Schlange war dann doch Super Mario Odyssey an der Reihe! Und wie erwartet: Das Spiel wird super.

Für die 15minütige Demo konnte man zwischen New Donk City und der Brutzelebene aus der Wüstenwelt wählen, ich habe mich für New Donk City entschieden. Hier fällt als erstes auf, wie unfassbar offen die Level gestaltet sind – so ziemlich jeder Wolkenkratzer der Stadt kann bestiegen werden und man kann ohne Probleme am Stück oder schrittweise wieder runterspringen. An jeder Ecke sind kleine Details oder einfach nur Münzen versteckt und man wird sehr dazu motiviert, die Level gut zu erkunden! Auch das Per-Mütze-In-Dinge-verwandel-Feature macht Spaß und so bleibt als einziges „Problem“ (das ist aber Meckern auf hohem Niveau) bleibt mir die etwas schwammige Steuerung, was aber auch daran liegen könnte, dass man mit zwei separaten JoyCons, statt einem JoyCon Grip oder gar einem Pro Controller gespielt hat.

Weiter geht’s mit Nindies – genauer gesagt mit Flipping Death von Zoink Games. Zoink war bisher für Stick it to the Man bekannt und hat bei der vorletzten E3 Fe angekündigt, kurz danach kam die nächste Ankündigung, eben für Flipping Death. Optisch sieht das Ganze Stick it to the Man mit seiner Paper-Cutout-Grafik und den unförmigen Charakteren sehr ähnlich. Hier spielt man eine Praktikantin im Totenreich, welche in einem Puzzle-Platformer-Adventure herausfinden muss, warum niemand mehr stirbt. Dabei kann man Menschen auf der „lebendigen“ Seite (beziehungsweise Gegenstände in ihrem Besitz) übernehmen und sie somit steuern und nahtlos zwischen Lebenden- und Toten-Reich wechseln.

Zugegebenermaßen habe ich in den paar Minuten Spielzeit nicht wirklich herauskristallisieren können, was das Ziel des Spiels genau ist, Spaß hat es aber trotzdem gemacht. Einziger Wehrmutstropfen ist die Performance, zumindest die angespielte Switch-Version ist noch nicht besonders gut optimiert und noch stark am umherruckeln.

Danach ging es rüber zu Agents of Mayhem, dem neuesten Streich der Saints Row-Entwickler. Und wer hätte es gedacht – es sieht aus wie Saints Row, hat den gleichen Humor und Story-Ansatz wie Saints Row und spielt sich wie Saints Row. Statt Superkräfte zu haben, kann man nun on-the-fly zwischen Charakteren wechseln und kann sich so auf die aktuelle Situation anpassen. Wenn stärkere Gegner da sind, wechselt man schnell auf einen langsamen, aber starken Char, und so weiter. Wie Saints Row macht auch Agents of Mayhem Spaß, ich würde mir nur wünschen, dass die Waffen etwas mehr „punch“ hätten, man hat nur sehr wenig Trefferfeedback und Waffen fühlen sich schwach an.

Bevor es ins Merch-Paradies ging, kam zu guter Letzt noch Slime-San von Fabraz in der IndieArena Booth an die Reihe, ein bereits vor einigen Monaten erschienener Platformer, in dem man einen, wie der Name verrät, Schleim spielt. Man kann Meat Boy-esque an Wänden rumschleimen und kleben bleiben, dashen, sich durchlässig machen, um durch Membrane der gleichen Farbe zu kommen und muss aufpassen, nicht in Schleim einer anderen Farbe zu geraten, da dieser, wie so ziemlich alles Andere im Spiel, einen instant tötet.

Das Spiel ist durchaus sehr anspruchsvoll, aber immer auf faire Art und Weise. Außerdem sieht es gut aus und hat einen super Soundtrack!

Donnerstag

Der Donnerstag war nicht ganz so vollgestopft mit Spielen. Nachdem wir unseren Übernachtungsgast bei Monster Hunter World abgeliefert hatten (und dieser direkt wieder weggegangen ist, weil die Schlange 5 Minuten nach Messeöffnung schon voll und geschlossen war, warum auch nicht) ging es zu Ni No Kuni 2! Ich habe den ersten Teil nie gespielt und weiß deshalb nicht, wie der Nachfolger im Vergleich abschneidet, aber ich habe mich ein wenig in das Spiel verliebt. Die animierten Story-Sequenzen sehen sehr gut aus und haben eine schöne Synchro, die Oberwelt sieht hübsch aus und lässt sich gut erkunden, das Kampfsystem ist sehr dynamisch und macht Spaß (auch wenn ich die Hälfte davon nicht mal gesehen habe, weil ich ständig vergessen habe, dass man durch verschiedene Fähigkeiten wechseln kann) und der Soundtrack ist großartig. Dadurch, dass man nur eine Quest machen konnte (aber keine Demo mit Zeitlimit, immerhin), hat man zwar nicht besonders viel vom Spiel gesehen, aber ich freue mich trotzdem sehr auf das Release im Januar!

Tagespunkt Numero 2 (und der einzige weitere Tagespunkt) war die Uncharted-Schatzsuche am PlayStation-Stand! Das Ganze funktionierte folgendermaßen: Man musste am ganzen PlayStation-Stand verteilte Bluetooth-Hotspots finden, mit denen man Missionen aktivieren konnte. Dafür gab es in der PlayStation Event App eine Art Kompass (der den kompletten Zweck eines Kompasses verfehlt hat, da er in keinster Weise eine Richtung angezeigt hat), der einem farblich markiert hat, ob man in der Nähe eines Hotspots ist. War man weit von einem entfernt, hat der Kompass rot geleuchtet, ist man einem Spot näher gekommen, hat er gelb geleuchtet, hat man einen Spot gefunden war der Kompass grün und man musste einen Moment stehenbleiben um die Mission zu aktivieren. Die Missionen bestanden aus teils sehr einfachen („Wie heißen die Protagonisten von Uncharted: The Lost Legacy?“) bis hin zu schwierigeren (das Entziffern eines Codes per Caesar-Cipher oder das zusammenlegen von Francis Drake’s Motto aus gespiegelten Buchstaben) Rätseln und Puzzles.

So weit, so gut. Leider waren die Hotspots meistens an den unpraktischsten Stellen und meistens in den Wänden der einzelnen Spiel-Stände, sodass man meistens in Schlangen hineingeraten ist oder komplett im Weg stand, weil man sich nicht in die besagte Schlange stellen wollte. Außerdem waren die Spots nicht besonders stark (oder eben durch die Masse an Menschen sehr störungsanfällig), sodass man bei der kleinsten Bewegung, oder manchmal auch einfach so, den gefundenen Spot direkt wieder verloren hat. Das war auf Dauer etwas frustrierend und die Menge an zu findenden Spots (15 Stück) hat das Ganze nicht einfacher gemacht.

Für unsere knapp 4 Stunden Arbeit gabs am Ende einen Goodie-Bag für jeden, welcher ein The Lost Legacy-Poster, ein Paket Spielkarten im Uncharted-Design, ein Uncharted-Notizbuch, ein PlayStation-Lanyard und einen PS4-Code für das gerade erst erschienene Remastered von Jak & Daxter: The Precursor Legacy. Alles sehr schöne Sachen, aber für 4 Stunden durch die Massen am PlayStation-Stand quälen doch etwas unterwältigend. Aber hey, free stuff! Und wenigstens gabs auch noch einen Rabatt auf leckeres Curry von einem Stand im Außenbereich. Ein guter Abschluss für einen anstrengenden Tag.

Freitag

Was dem Donnerstag an Spielen gefehlt hat, hat der Freitag aufgeholt. Los ging es in Halle 8 mit Tropico 6 von Limbic Entertainment. Überhaupt nicht mein Genre und ich konnte aus irgendeinem Grund nicht das Gebäude bauen, welches ich brauchte um weiterzukommen, aber meine Freundin sagt, das Spiel ist gut. Also weiter im Text.

Einen Stand weiter befand sich StudioMDHR’s Cuphead, was ich bereits vor 2 Jahren angespielt habe und worin ich unfassbar schlecht war. Daran hat sich nicht viel geändert, wir sind beide am laufenden Band gestorben und haben es nie über die zweite Bossphase hinaus geschafft. Trotzdem sieht das Spiel immer noch unfassbar gut aus, hat einen genialen Soundtrack und macht auf eine sadistische Art und Weise trotz der extremen Schwierigkeit Spaß!

Etwas einfacher ging es am Astragon-Stand mit dem Landwirtschafts-Simulator auf der Switch weiter. Warum wir uns dort hingesetzt haben, wissen wir nicht wirklich, aber unser einziges Ziel war es, unseren Traktor in eine Situation zu bringen, aus der wir ihn nicht mehr befreien können. Keine 5 Minuten später lagen beide Traktoren auf einem Stein und wie zogen weiter zum PlayStation VR-Stand!

Ich habe bereits im letzten Jahr die HTC Vive ausprobiert und war begeistert, deshalb wollte ich mich unbedingt noch eine andere VR-Brille austesten und habe mich für einen PSVR-Termin registriert. Nach kurzer Wartezeit konnte ich dann Skyrim VR anspielen! Dadurch, dass Skyrim mittlerweile 6 Jahre alt ist und somit optisch nicht mehr ganz auf der Höhe, sind die grafischen Einschränkungen der aktuellen VR-Brillen kein großes Problem, wobei ich zugeben muss, dass das Spiel, selbst ohne Brille (meine Brille passt nicht mit in die PSVR, ohne dass zu viel Licht herein scheint) überraschend gut aussah und sogar noch etwas hochwertiger war als das Bild der Vive. Es waren kaum Pixelgitter zu sehen und alles war wunderbar scharf.

Die Steuerung des Spiel war etwas gewöhnungsbedürftig, so hat man sich, wie eigentlich in allen VR-Spielen zur Vermeidung von Motion Sickness, voranteleportiert, statt sich flüssig zu bewegen. Das war kein großes Problem, die Drehung machte da mehr Probleme. Umschauen konnte man sich zwar logischerweise, indem man seinen Kopf bewegt, physisch drehen, um in eine andere Richtung zu gehen und anzugreifen, musste man sich allerdings mit einem extra Knopf. Mit jedem Tastendruck hat man sich ein Stückchen weiter gedreht, so musste man um die 10 Mal den Knopf drücken um sich umzudrehen, was schnelle Reaktionen bei hinter einem auftauchenden Gegnern quasi unmöglich macht.

Trotz der seltsamen Steuerung hat es aber unheimlich Spaß gemacht, Schwert schwingend und Feuer sprühend durch Dungeons zu laufen und allerlei Dinge zu entdecken. Die Technik ist mir persönlich für die wenigen „kompletten“ Spiele aber immer noch zu teuer. Ich bleibe also erstmal dabei, die verschiedenen VR-Headsets auf Messen auszuprobieren.

Nachdem mein Gesicht wieder getrocknet war (lasst euch sagen, unter VR-Brillen schwitzt man SEHR) und wir einen Abstecher zu Charles Martinet am Nintendo-Stand gewagt haben, machten wir uns auf den Wig in die IndieArena Booth und begannen mit Frostpunk. Frostpunk ist ein Aufbau-Strategiespiel von 11 bit studios, in dem es darum geht, eine Stadt in gnadenloser Kalte am Leben zu halten. Wieder überhaupt nicht mein Genre, aber es sah gut aus und meine Freundin sagt, es hat Spaß gemacht, also wieder weiter im Text.

Up next: Digital Sun’s Moonlighter, eine Mischung aus Action-RPG und Rogue-lite. Man spielt Will, einen Ladenbesitzer, der zum Held werden will. Um den langen Weg zum Heldentum zu bestreiten, erkundet man im The Binding of Isaac-Style zufällig generierte Dungeons, um immer bessere und immer wertvollere Items zu finden, mit denen man sich selbst ausrüsten kann und den Shop füllen kann, um Geld zu verdienen und Items aufwerten zu können. Das Spiel spielt sich ähnlich wie Isaac, das managen des Shops ist eine interessante Abwechslung zum üblichen Dungeon-Crawling und die zufällig generierten Dungeons machen das Ganze sehr abwechslungsreich. Definitiv ein Spiel, welches man im Auge behalten sollte!

Von Moonlighter aus ging es ein paar Stände weiter zu Light Fall, ein Platformer aus dem Hause Bishop Games. Das Spiel kommt in einem minimalistischen aber sehr hübschen Artstyle in Violett-Tönen daher und hat sehr schicke handgezeichnete Cutscenes, welche von einem sympathischen Erzähler untermalt werden. Der Stil erinnert mich persönlich ein wenig an Ori and the Blind Forest, das Gameplay ist aber recht weit davon entfernt. Im Grunde ist es ein Platformer, in dem man eine Art Würfel hat, den man auf Knopfdruck unter sich platzieren kann oder frei bewegen kann, um damit Laser abzuschirmen oder ihn als Motor for verschiedenste Mechanismen einzusetzen. Damit sind viele anspruchsvolle Passagen möglich, in denen es auf gutes Timing ankommt.
Die Steuerung ist dabei knackig, die Level sind sehr anspruchsvoll aber fair, definitiv ein weiteres Spiel, welches man im Auge behalten sollte!

Zu guter Letzt gab es noch eine kleine Runde Nine Parchments, wie Frozenbyte es nennt, ein „Kooperatives Blast’em’up“. Was das heißt: Man kämpft mit bis zu vier Spielern gegen Wellen von Gegnern und setzt dabei verschiedenste, auflevelbare und anpassbare Spells ein, die hauptsächlich an die Elemente gekoppelt sind. So hat man gegen jede Art von Gegner passende Attacken,
was schnelle Reaktionen und gute Angriffsplanung erfordert. Da unsere Gruppe sehr schnell komplett gestorben ist und nach dem Tod aller die Demo vorbei war, konnten wir nicht besonders viel vom Spiel sehen, aber die paar Minuten haben Spaß gemacht und waren anspruchsvoller als erwartet!

Wie letztes Jahr war der Abschluss unserer Messetage das Video Games Live-Konzert auf der Blizzard-Bühne, bei dem das City of Prague Philharmonic Orchestra eine Stunde lang ein Best Of der Musik aus allen Blizzard-Franchises zu Cinematics aus den Spielen spielt. Wie man es von VGL nicht anders kennt, war es ein wunderschönes Konzert mit vielen Gänsehautmomenten, selbst wenn man nicht viel mit den meisten Spielen am Hut hat! Aber das macht gute Soundtracks aus.

Fazit und Highlights

Auch wenn mein Körper nach 3 Tagen Messe wie immer komplett durch ist (wie haben wir das letztes Jahr 2 Tage länger ausgehalten?), war die Gamescom auch dieses Jahr wieder ein schönes Erlebnis, an die Massen an Menschen hat man sich mit der Zeit gewöhnt. Wobei man sagen muss, dass viele Stände dieses Jahr überraschend leer waren. Neben Super Mario Odyssey und Ni No Kuni 2 kommen meine Highlights auch dieses Jahr wieder aus der Indie-Welt. Moonlighter, Light Fall und Leif’s Adventure sind sehr vielversprechende Projekte von kleinen Teams (oder sogar Einzelpersonen), die man definitiv im Auge behalten sollte und allgemein sind Indie-Entwickler immer unterstützenswert. Schließlich bringen diese die meiste Innovation und neue Ideen in die Spieleindustrie.

Was waren eure Highlights der diesjährigen Gamescom?

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