Video Games Live in Berlin – Mehr als nur ein Konzert

Nach einem dreiviertel Jahr Vorfreude war es am vergangenen Sonntag endlich soweit – mein erstes Mal Video Games Live! Meine Eindrücke muss ich natürlich unbedingt mit euch teilen.

Video Games Live gibt es seit 2001 – nach 3 Jahren Planung konnte Gründer und Gaming-Musik-Urgestein Tommy Tallarico 11.000 Besucher in die Hollywood Bowl locken und den Grundstein für unzählige weltweite Konzerte legen. Eines davon fand am vergangenen Sonntag im Berliner Tempodrom statt, welches als Location schon einmal ums tausendfache die turnhallenartige Grugahalle, in der Symphony of the Goddesses stattfand, übertraf.

Das Berliner Tempodrom - eine zeltartig aufgebaute Halle, welche bei manchen Songs den Eindruck einer Kathedrale machen kann

Als sich die Halle so langsam aber sicher füllte, leitete das Hamburger-Berliner Duo Sound of Games den Abend mit einem Cosplay Contest ein, was aufgrund der überraschend kleinen Zahl an Cosplayern, 4 um genau zu sein, recht schnell vonstatten ging. Weiter ging es mit einer kleinen Performance der beiden, die unter Anderem für die Musik von Clash of Kings und vielen andere Mobile-Games verantwortlich sind.

Kurz darauf betritt das City of Prague Philharmonic Orchestra die Bühne, stimmt seine Instrumente und schneller als man „City of Prague Philharmonic Orchestra“ sagen kann stürmt das Energiebündel namens Tommy Tallarico auf die Bühne und bringt das Publikum mit dem Castlevania Rock in Stimmung. Der energiegeladene Song ist die Einleitung für fast drei Stunden voller Meilensteine der Gaming-Geschichte, gespielt von einem hochklassigen Orchester welches von Tommy mit Rock-Klängen unterstützt wird. Außerdem dabei sind die gefühlt alles-könnende Sängerin, Flötistin und Komponistin Laura Intravia und Warcraft-Komponistin und Dirigentin Eimear Noone. Ich könnte theoretisch über jeden Song reden, das würde allerdings die Seite sprengen. Abgesehen davon ist mein Hirn nicht gerade auf Elefanten-Niveau, deshalb mache ich es mir einfach und liste euch einfach alle Lieder auf, die gespielt wurden:

  • Castlevania Rock
  • God of War
  • Journey
  • Metal Gear Solid 3: Snake Eater
  • Uncharted 2
  • Resident Evil 5
  • Advent Rising
  • Donkey Kong Country
  • Kingdom Hearts – mit Disney-Filmszenen statt Spielszenen!
  • Tetris Opera
  • The Legend of Zelda: 25th Anniversary Suite
  • World of Warcraft: Malach, Angel Messenger – ein zusammenspiel verschiedenster Videos von Musikern auf der ganzen Welt, die etwas zum Song beigetragen haben.
  • Phoenix Wright
  • Ico: You were there
  • Super Mario Bros.
  • Skyrim: Dragonborn Theme
  • Street Fighter 2
  • Final Fantasy VII: One Winged Angel
  • Portal: Still Alive

Goldfisch-Hirn sei dank stimmt die Reihenfolge natürlich nicht 100%ig.. Außerdem sei gesagt, dass die Tracklist auf jedem Konzert anders ist! Im jeweiligen Facebook-Event wird einige Monate vor dem Konzert nachgefragt, welche Spiele sich gewünscht werden, damit wird jede Show an das lokale Publikum angepasst.

Laura Intravia aka Flute Link begleitet den Abend als Sängerin, Flötistin und Pianistin. Hier leiht sie Metal Gear Solid 3: Snake Eater ihre Stimme.

Zwischen den Stücken wurde die Stimmung mit Videos aufgelockert, zum Beispiel mit den schlechtesten Spiele-Synchros, den dümmsten Titeln und Spiele-Mashups, in denen der Frogger-Frosch in GTA-Manier einfach die Straße freisprengt. Dazu gab es viel Philosophie über Spiele, deren Bedeutung und ihr Stand in der Gesellschaft.

And SOME people… some people think that video games are the cause of violence. …Kill them!

Zugegebenermaßen hätte das Gequatsche für meinen Geschmack teilweise etwas kürzer gefasst werden können, trotzdem war das Meiste richtig und wichtig und außerdem hat es das Publikum mit eingebunden. Das ist ein wichtiger Punkt der gesamten Konzertreihe: Während es beim durchschnittlichen Standard-Synfonie-Konzert immer eher ruhig und gediegen zugeht, kann man bei Video Games Live so laut sein, wie man möchte, seinen Gefühlen freien Lauf lassen und es wird viel mit dem Publikum geredet und interagiert. So kann es schon mal zu einer spontanen Acapella-Interpretation vom Mario-Theme kommen.


So macht wie schon bei Symphony of the Goddesses das Publikum einen großen Teil der Atmosphäre aus. Überall freudige Gesichter, Jubelschreie bei Szenen auf den drei Leinwänden oder eben das gemeinsame Summen des Mario-Themes und der Abschluss, wenn der gesamte Saal zusammen zur Musik „Still Alive“ singt – das gepaart mit einem großartigen Orchester und Chor, einer von Swing bis Opern alles-könnenden Sängerin und dem Unterhaltungs- und Gitarren-Talent Tommy ergibt einen wundervollen, unterhaltsamen Abend.

Wie ihr meinen Eindrücken wahrscheinlich schon ablesen konntet, kann ich Video Games Live mehr als empfehlen, sowohl Gaming-Fans als auch jedem, der einfach nur auf gute Musik steht. Das Geld (44€ pro Person für Plätze in der 15. Reihe genau mittig zur Bühne) hat sich mehr als gelohnt! Damit ihr euch selber einen Eindruck machen könnt schließe ich meine kleine Pseudo-Review mit der Zugabe – One Winged Angel aus Final Fantasy VII – ab, ein Song, der sehr gut die Mischung aus klassischen Orchester und Tommys Rock-Klängen demonstriert!


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